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Leseprobe
Taschenbuch  11,99 €
EBook             7,99 €

Das Buch:

 

Dieser Roman ist nicht frei erfunden. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Zum Schutze der Beteiligten sind alle Namen geändert. Daher sind Namensähnlichkeiten rein zufällig.

 

Tina, Mutter von zwei kleinen Kindern, ist vom Leben nicht verwöhnt worden. Von klein an durchwandert sie verschiedene Kinderheime und Pflegefamilien.

Verzweifelt versucht sie, ein normales Leben zu führen. Als die Grundversorgung ihrer Kinder nicht mehr gewährleistet ist, Strom und Gas gesperrt werden, entscheidet sie sich für einen schweren Weg. Sie wird Prostituierte.

Gnadenlos und ungeschminkt erzählt sie ihre Geschichte als Hure.

 

 

Die Autorin:

Seit vielen Jahren arbeitet Petra Kuhn in der esoterischen Lebensberatung. Sie lernt Menschen und ihre Schicksale kennen. Manche davon sind herzzerreißend, oftmals schockierend, viele traurig und andere besonders spannend. Sie hat sich dazu entschieden, einige davon als Grundlagen für ihre Romane zu nehmen.

"Klingeln bei Josy" ist ihr erstes Buch.

 

 

 

Der Tag war regnerisch und grau. Die Fahrt lang und schweigsam. Das Haus war von der Straße nicht zu sehen.

Wir mussten einen kleinen Berg hinauffahren, ehe wir es genau betrachten konnten.

  „Das ist wohl das Richtige für dich“, sagte mein sogenannter Pflegevater. „Ein alter, heruntergekommener Schuppen. Da gehörst du hin. Wie ich dich kenne, landest du sowieso auf der Straße.“

Ich sagte nichts. Ich wollte nicht in dieses Kinderheim. Aber in dieser Familie, die sich Pflegefamilie schimpfte, wollte ich auch nicht bleiben.

 

Mehr als zwei Jahrzehnte hatte ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass seine Aussage wahr wurde. Aber seinem Schicksal kann man nicht entfliehen.

 

Mit siebenundzwanzig sollte man glauben, ist niemand mehr gefährdet, als Hure eine Karriere zu starten.

Auch da geht das Leben oftmals ganz eigene Wege.

Es klingelte an der Tür. Ich stand am Herd und kochte gerade den Brei für meinen acht Monate alten Sohn, der auf meinem Arm quengelte. Ich schob den Topf von der Platte und ging zur Tür.

  „Stadtwerke, guten Tag.“

Oh nein, schoss es mir durch den Kopf, achthundert Mark Rückstand! Seit Wochen konnte ich weder Strom noch Gas bezahlen.

Ich kam nicht dazu, etwas zu sagen, denn der gute Mann setzte ohne Unterbrechung seine Standpauke fort.

„Ich glaube nicht, dass Sie heute zahlen können. Kein Geld, kein Strom, damit Sie Bescheid wissen! Ab jetzt ist er gesperrt und wird erst wieder geöffnet, wenn Sie die Rückstände komplett bezahlt haben. Auf Wiedersehen und guten Tag“, sprach er und verschwand.

Ich hatte gehofft, dass ich wenigstens die Breiflaschen fertig kochen konnte, aber er ließ sich nicht auf ein Gespräch ein.

Die Herdplatte war noch warm, doch zum Kochen reichte die Wärme nicht mehr. Der kleine Mann auf meinem Arm jammerte nun nicht mehr, sondern schrie mit Leibeskräften nach seiner Flasche. Ich füllte den halbgaren Brei um und hoffte einfach, dass es keine Bauchschmerzen geben würde.

  Mein Kopf fuhr Karussell, mein Körper fühlte sich taub an. Wie eine Marionette hielt ich das Baby auf dem Arm und war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.

Meine Tochter musste schon eine Weile neben mit gestanden haben. Obwohl sie gerade das erste Jahr zur Schule ging, hatte sie eine ausgeprägte Empathie.

  „Alles gut, Mama?“, fragte sie mich.

Wie aus einer anderen Welt tauchte ich aus meiner Starre auf.

„Ja, Süße. Das wird schon wieder.“

 

Abends, als die Kinder im Bett lagen und im Schein vieler Kerzen, durchsuchte ich die Stellenangebote.

Dass mein Mann sich einen Job suchen würde, konnte ich vergessen. Viel zu lange hatte ich auf ein Wunder gehofft. Viel zu lange abgewartet. Nun war die Situation ernst. Wie schon oft in meinem Leben. Der Kalender zeigte noch lange nicht Ende des Monats an. Mein ganzes Geld betrug noch genau neunundzwanzig Mark. Es waren noch einige Tage, bis das Sozialamt zahlen würde. Geschweige, dass ich keinen Strom und kein Gas mehr hatte. Gut, dass es Sommer war und ich nicht noch mit den Kindern in einer kalten Wohnung sitzen musste.

Rauf und runter las ich die Jobangebote. Ich fand nichts. Zumindest nichts, was eine Mutter von zwei kleinen Nervensägen bewältigen konnte.

Dann sprang es mich an:

 

Nette Kollegin gesucht!

 

Für unseren exklusiven Nachtclub suchen

wir junge, tabulose Damen

in der Zeit von 21 Uhr bis 05 Uhr.

 

Ich atmete tief durch. Ich brauchte Geld, schnell und viel. Nicht für mich. Sondern für diese kleinen Würmer, die im Nebenzimmer schliefen. Aber wäre ich dazu in der Lage? War ich überhaupt noch jung genug? Und was verstand man unter tabulos?

Ich hatte nicht das Aussehen eines Models, und meine 20 kg Übergewicht waren sicher nicht förderlich für so einen Job. Gut, ich hatte manchen One-Night-Stand, war nicht zimperlich, was Sex anging. Aber mit wildfremden Kerlen vögeln, gegen Geld? Was würde mein Mann dazu sagen? So viele Fragen gingen mir durch den Kopf.

Ich nahm meinen Haustürschlüssel und verließ die Wohnung. Ganz kurz nur, um im Nebenhaus meine Freundin zu besuchen.

 „Komm mal rüber!“, überfiel ich sie, als sie die Tür öffnete. „Ich kann nicht bleiben. Die Kinder sind allein. Ich muss mit dir reden“, und schon war ich wieder weg.

Es dauerte nicht lange, bis sie in meinem Wohnzimmer saß. Schnell war erzählt, was sich zugetragen hatte.

  „Hast du Geld?“, fragte ich sie.

  „Zwanzig Mark.“

Wie oft hatten wir die letzten Kröten geteilt, wie oft saßen wir zusammen und fantasierten, wie wir zu mehr Geld kommen konnten. Auch meine Freundin bekam nur Sozialhilfe. Dass sie keine Kinder hatte, änderte nichts daran, dass das Geld nicht reichte.

Ich legte ihr, ohne ein weiteres Wort, die Anzeige vor die Nase.

  „Nun bist du total übergeschnappt. Verrückt geworden!“, war ihre erste Reaktion.

  „Hör zu! Wir beide brauchen Geld. Das ist eine echte Chance! Noch sind wir jung genug und können das versuchen!“

Claudia war ein Jahr älter als ich. Im Gegensatz zu mir schlank und rassig, mit langen schwarzen Haaren. Ich, eher der Hausmütterchen-Typ, rechnete mir nicht allzu große Chancen aus. Wenn ich nur das Stromgeld zusammenbekommen würde, wäre mir geholfen. Aber eines war mir klar: Allein würde ich das nicht bringen. Ich brauchte eine Verbündete an meiner Seite.

  „Wir können ja hinfahren, einfach mal schauen. Gehen können wir doch immer noch! Bitte. Ich muss was tun!“, redete ich auf sie ein.

Sie gab nach, auch wenn sie nicht überzeugt war. Ihre Perspektiven waren nicht besser als meine.

Die Stimmung schlug um und plötzlich waren wir voller Hoffnungen. Noch mitten in meinen Fantastereien, wie gut es uns gehen könnte, kam mein Ehemann nach Hause.

  „Gut, dass du kommst!“, empfing ich ihn. „Ich muss anrufen. Gib mir dein Handy.“

„Was ist denn los hier? Warum sitzt ihr hier im Dunkeln?“

Ich war nicht aufgelegt für Erklärungen. Tief in meinem Inneren gab ich ihm die Schuld an dem ganzen Schlamassel. Hätte sich ja mal einen Job suchen können, als immer abzuhängen und darauf zu warten, dass ich alle Probleme löste.

Fast sieben Jahre waren wir zusammen. Am Anfang der Beziehung hatte er wenigstens gelegentlich Jobs. Aber seit drei Jahren sah er sich überhaupt nicht mehr in der Lage, zu arbeiten. Seine stetigen Rückenschmerzen machten ihm das Arbeiten unmöglich, wobei ich eher darauf tippte, dass er an Faulfieber litt. Munter schob er stetig alle Verantwortung zu mir, und wenn es problematisch wurde, zuckte er mit den Schultern.

Da nutzte es nichts, dass er ein gut aussehender Mann war. Ein Sunny-Boy, mit blauen Augen, blonden Haaren und einer durchtrainierten Figur. Er ließ so manches Frauenherz höherschlagen. Aber von einem schönen Teller wird man nicht satt.

„Ich werde mich in einem Puff vorstellen“, sagte ich.      

 „Mir reicht es mit der ganzen Scheiße hier.“

Seine Kinnlade fiel runter. Der Mund blieb ihm offen stehen. Selten hatte ich diesen Mann sprachlos gesehen. Ohne Worte gab er mir das Handy. Ich tippte mit zittrigen Fingern die Nummer ein. Das Gespräch dauerte keine Minute. Man nannte mir die Adresse, und dass ich die ganze Nacht kommen konnte. Sven schaute mich an. Sagte aber immer noch nichts. Auch mir war der Hals wie zugeschnürt. Ich suchte ein paar Kerzen zusammen und stellte sie im Badezimmer auf.

Ich war keine Frau, die täglich Schminke auflegte. Eher ein mausgrauer Typ. So konnte ich mich nicht in einem Bordell vorstellen. Während ich kräftig im Schminktopf rührte, ging Claudia in ihre Wohnung, um sich dort zurechtzumachen. Nicht, dass sie es nötig gehabt hätte. Sie sah immer schick aus und hatte eine starke Ausstrahlung.

Sven stand im Türrahmen und starrte mich an.

Was würde kommen? Ich trenne mich von dir? Ich will nicht, dass du das machst. Besser ich suche mir einen Job? Wir schaffen das, Schatz? Nein, nichts von dem.

Ein Satz, den ich niemals im Leben vergessen werde: „Das musst du selber wissen. Bestimmt kannst du viel Geld verdienen.“

Bis heute weiß ich nicht, warum ich ihn nicht spätestens in diesem Moment rausgeworfen habe.

 

 

 

 

Keine Stunde später stand Claudia wieder in unserer Wohnung. Sie sah umwerfend aus. Hohe Stiefel, kurzer Rock und ihre schwarze Mähne zierte ihre schmalen Schultern.

Ich hatte auch in meinem Schrank einen Mini gefunden. Mein Lockenkopf war aufgebauscht und zu viel Schminke bedeckte mein Gesicht. Es war nicht zu übersehen, dass ich eine Hausfrau war, die sich fein gemacht hatte. Mein Selbstbewusstsein litt in diesem Moment besonders. Ich knabberte sehr an meinem Übergewicht, da ich vor der Geburt meiner Kinder gertenschlank gewesen war und ich musste zugeben, dass ich mich in den letzten Jahren hatte gehen lassen. Die ganzen Sorgen, die häufigen Streitereien mit Sven, all das trug nicht dazu bei, dass ich mich wohl in meiner Haut fühlte.

 Draußen hupte ein Auto und riss mich aus meinen Gedanken. Sven rief: „Euer Taxi ist da!“

Das war schneller, als ich erwartet hatte und ließ mir keine Gelegenheit noch länger in den Spiegel zu schauen. Ich glaube, wenn es nur fünf Minuten später gekommen wäre, hätte ich meinen Plan aufgegeben, so unsicher hatte mich mein Spiegelbild gemacht.

 

Während der Fahrt zum Club sprachen Claudia und ich kein Wort. Meine Unsicherheit hatte sich kein bisschen verändert, ganz im Gegenteil. Die Knie zitterten, das Herz raste. Meine Fassade hatte ich gut im Griff und so setzte ich mein Pokerface auf, welches mich oft durch heikle Situationen gebracht hatte. Scheinbar selbstsicher stieg ich aus dem Taxi und klingelte, Claudia im Schlepptau. Es dauerte nicht lange, da öffnete uns ein großer, stämmiger Typ die Tür. Bei seinem Anblick konnte es einem schon angst und bange werden! Er war bestimmt zwei Meter groß, breit wie ein Schrank, behaart wie ein Affe und schaute uns alles andere als freundlich an. Aber er ließ uns ein.

Kaum durch die Tür gegangen, standen wir direkt in einem kleinen Empfangsraum. Sechs junge Frauen saßen auf stattlichen Ledersofas. Eine schöner, als die Andere und sicher keine älter als dreiundzwanzig. Rotes Licht durchflutete den Raum. Es hinterließ eine angenehme Atmosphäre. Leise spielte im Hintergrund Musik und sechs Augenpaare schauten uns erwartungsvoll an, um einen kurzen Moment später einen enttäuschten Ausdruck zu bekommen. Sie hatten jemand anderen erwartet.

Eine Frau jenseits der fünfziger stand hinter einem kleinen Tresen. Sie winkte uns zu sich.

„Ich habe angerufen“, begann ich das Gespräch und war dankbar, dass meine Röte auf den Wangen bei diesem Licht kaum zu erkennen war.

„Prima. Wir können hier immer nette Damen gebrauchen. Kennt ihr euch aus? Habt ihr schon irgendwo gearbeitet?“

Wir schüttelten beide den Kopf.

  „Dann will ich euch die Konditionen erklären, damit ihr unsere Preise kennt. Denn das ist sicher das Wichtigste!“, erklärte sie lachend. „Bei hundertfünfzig Mark fängt es an. Dafür könnt ihr eine halbe Stunde auf dem Zimmer bleiben. Aber verwöhnt den Kunden nicht zu sehr! Denn mehr als französisch und Verkehr ist dafür nicht drin.“

 Himmel, was war denn französisch?

„Wenn er mehr will, soll er zweihundert Mark zahlen! Dafür kann er beidseitig Französisch haben und Stellungswechsel, sooft er will! Aber auch da darf die halbe Stunde nicht überschritten werden!“, erklärte sie weiter.

  „Für die Stunde muss er dreihundert hinblättern. Da könnt ihr alles machen, außer Analverkehr. Das kostet ihn noch mal hundertfünfzig Schlappen extra.“

Ich war ganz erschlagen von den Preisen und versuchte mir zu merken, was sie erzählte. Aber sie war noch nicht am Ende:

  „Wir haben einen großen Whirlpool. Doch unter vierhundert Mark geht da niemand rein. Nun zeige ich euch erst mal die Zimmer. Und nicht vergessen: Fragen, wenn ihr etwas nicht versteht.“

Ja, ich hatte eine Menge Fragen, wusste aber nicht, wo ich anfangen sollte. Ich wollte mich nicht blamieren. Doch ich musste zumindest wissen, was für uns hängen bleiben sollte. Also nahm ich allen Mut zusammen und sprach aus, was ich dachte: „Was verdienen wir daran?“

 „50 Prozent von allem, was ihr rein bringt. Das gilt auch für die Getränke “, kam umgehend die Antwort.

In meinem Kopf ratterten die Zahlen. Das war eine Menge Geld! Ein paar Gäste, dachte ich und ich hätte das Stromgeld zusammen. Mehr wollte ich nicht. Dann würde ich zusehen, dass ich hier verschwand.

Die nette Frau zeigte uns die Zimmer. Alles war sehr sauber, in dunkelviolettes Licht getaucht und gut eingerichtet. In jedem der Räume stand ein großes Bett, große Spiegel zierten die Wände. Ein Fernseher stand parat, in dem ein Pornofilm über den Bildschirm flimmerte. Auf den Regalen neben den Betten lagen Handtücher, Kondome und Küchenrollen.

„Um die Sicherheit braucht ihr euch hier nicht zu sorgen! Schutz ist gewährleistet, obwohl wir den hier noch nie nötig hatten. Die Gäste, die zu uns kommen, sind alle wohlsituiert.“

Ich atmete tief durch.

„Offiziell wird nur mit Gummi gevögelt! Was die Mädchen auf den Zimmern machen, geht mich nichts an und werde ich sicher nicht kontrollieren! Erwische ich jedoch eine, die es im Whirlpool ohne treibt, dann gib es Ärger!“

 Oh Gott. Ohne Gummi? Mich schüttelte es bei dem Gedanken. Ich nahm ja nicht mal die Pille!

Mir war ganz schwindlig von all den Eindrücken und ich war dankbar, als wir uns zu den Mädchen gesellen konnten. Wie die Hühner auf der Stange saßen wir da.

Claudias Gesicht war versteinert. Ich konnte nicht erkennen, was in ihr vorging. Meine Gedanken fuhren Karussell.

Innerhalb von kürzester Zeit stürzten so viele Informationen auf mich ein. Ich versuchte, alles ein bisschen zu ordnen. Dazu kam mein ganzes emotionales Chaos. Eine Seite von mir wollte unbedingt Geld verdienen und meinem Elend ein Ende bereiten. Die andere Seite jedoch hatte Angst und wollte einfach nur weg.

 Als es dann klingelte, schreckte ich regelrecht hoch. Mein Herz setzte für einen Moment aus, um sofort darauf loszujagen. Die Mädchen richteten ihre Positionen auf, und der Gorilla sauste zur Tür. Zwei junge Burschen, kaum älter als zwanzig betraten den Club. Die beiden bestellten an der Bar zwei Bier und unterhielten sich mit der Bardame. Kurz darauf nickte sie zwei Mädchen links neben mir zu. Aufreizend gingen sie zum Tresen. Beide gingen direkt auf Tuchfühlung und umarmten die jungen Männer. Es dauerte keine zehn Minuten, da verschwanden sie in den Zimmern. Ich hätte gerne Mäuschen gespielt.

Claudia stieß mich an.

  „Ich kann das nicht!“, flüsterte sie mir zu.

Ehe ich mich versah, hatte sie ein Taxi bestellt. Das brauchte keine fünf Minuten und schon war sie weg.

„Ich kann das auch nicht“, dachte ich.

Aber meine neunundzwanzig Mark waren um neun Mark geschrumpft, denn umsonst hatte uns das Taxi nicht gefahren.

Panik machte sich in mir breit. Ich fühlte mich im Stich gelassen und war nun auch noch wütend auf Claudia. Diese Wut gab mir aber Kraft. Im Stillen dachte ich: „Du bist dir dein einziger Freund. Du wirst dir nicht die Blöße geben und das Weite suchen. Du musst es wenigstens versuchen! Also, Augen zu und durch!“

Aber mein Herz hatte so ziemlich den Tiefstand erreicht und die Wahrheit war, ich war gar nicht mehr sicher, ob ich das konnte.

  Nein, ich war mir sicher, dass ich es nicht konnte.

Verstohlen schaute ich mir die übrig gebliebenen Mädchen an. So schön und hübsch zurechtgemacht, saßen sie gelangweilt in ihren strassbesetzten Kleidern.

Ich, in meinem alten Leinen-Mini, mit kalkweißen Beinen und abgetragener Bluse, konnte mich mit ihnen nicht messen. Ehe ich mich in meinen Gedanken weiter vertiefen konnte, klingelte es erneut an der Tür. Der Gorilla schoss wieder vor. Wo versteckte er sich nur die ganze Zeit?

Ein älterer Herr betrat den Raum und eines der Mädels stand sofort auf und begrüßte ihn herzlichst.

  „Hallo Paul! Dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen! Wie schön, dass du heute da bist.“

Er wirkte etwas verschüchtert, begrüßte das Mädchen trotzdem mit einem Kuss auf die Wange.

Keine drei Minuten später war sie mit ihm verschwunden. Von diesem Moment an ging es Schlag auf Schlag.

Klingel, Gorilla, eine weniger.

 Es dauerte nicht lange, da saß ich allein auf der Couch.

Ich konnte kaum atmen. Was, wenn es wieder klingelte. Was, wenn es nicht klingelte. Ich brauchte Geld. Aber konnte ich so selbstsicher wie diese Mädchen in eines der Zimmer stöckeln? Ich spürte, wie die Panik wieder in mir hochstieg. Das Herz wurde immer schneller und der Magen drehte sich um.

Und dann klingelte es.